Erzverräter im Glück


Lensch


Als im Sommer 1916 Paul Lenschs Buch "Die Sozialdemokratie, ihr Ende und ihr Glück" seine Leser erreichte, war die Schlacht an der Somme in vollem Gange, während vor Verdun ein zäher Stellungskrieg tobte. Lenschs Buch sollte den Sozialdemokraten "im Felde" den Sinn nachliefern, sowohl für die Zustimmung der sozialdemokratischen Reichstags-Fraktion zu den Kriegskrediten, als auch für den Weltkrieg im Allgemeinen. Wirtschaftsregulierende Maßnahmen der kriegführenden Staaten deutete Lensch als "Kriegssozialismus", der Mangel an grundlegenden Bedarfsgütern war für ihn im Grunde ein Glücksfall, da er Maßnahmen staatlicher Planung ermöglichte. Ja mehr noch, der Erste Weltkrieg wurde von Lensch als beginnende Weltrevolution gedeutet. Während die Entente-Mächte das Geschäft des Monopolkapitalismus besorgten, sah er die Achsenmächte im Sinne der proletarischen Weltrevolution wirken.
   Während Parteilinke diese abenteuerlichen Konstruktionen kritisierten, fanden Lenschs Thesen bei mittigen und rechten Sozialdemokraten immer mehr Zuspruch. Die Lensch-Cunow-Haenisch-Gruppe lavierte innerhalb der SPD geschickt zwischen Revisionisten und orthodoxen Sozialisten und auch Lenschs Buch wurde ein Erfolg. Ein dichtes Netz von Feldbuchhandlungen sorgte für seine gute Verfügbarkeit und auch viele Liebesgaben aus der Heimat transportierten "Die Sozialdemokratie, ihr Ende und ihr Glück" in die Schützengräben, Stabsquartiere und Lazarette aller Fronten. Aus heutiger Sicht ist das Buch wohl eher unter "Lügenäther" einzuordnen. Aber es ist logisch aufgebaut, elegant bis "catchy" geschrieben und die Kriegspropaganda ist wohltuend schaumgebremst. Nicht zuletzt geht es von richtigen Voraussetzungen aus:
   "Deutschland war bis zum Kriege das einzige Land der Welt, wo es in der Öffentlichkeit direkt als Schande galt, Sozialdemokrat zu sein. Während anderswo Sozialdemokraten Bürgermeistersessel und Ministerposten einnahmen und mit Königen Rats pflogen, war es besonders in Preussen unmöglich, auch nur eine Nachtwächterstelle mit einem Sozialdemokraten zu bekleiden."
   Immer wieder findet der Leser in Lenschs Buch Parallelen zum Heute: freie Meinungsäußerung hat ganz unmittelbare persönliche Konsequenzen. Und dann der Widerspruch zwischen technisch-wirtschaftlicher Modernität und einer fast noch feudalen Staatsverfassung:
   "Die ungeheure wirtschaftliche und geistige Umwälzung, die Deutschland seit den 1870ger, besonders aber seit den 1890ger Jahren erlebt hatte, die aus dem kleinbürgerlichen Staatswesen von einst den modernsten Industriestaat der Welt gemacht hatte, dessen Bevölkerung um 25 Millionen Menschen gestiegen, dessen Auswanderung gleichzeitig fast verschwunden war, auf dessen Boden ganz neue soziale Klassen mit neuen Zielen und Anschauungen entstanden waren, - diese tiefgreifende ökonomische Revolution wurde seltsam kontrastiert von dem politischen Stillstand, dem das Land verfallen schien. Anderthalb Menschenalter waren dahingegangen und noch immer war an der Verfassung des Reichs, die Miquel einst als die kurzlebige Verfassung eines Militärstaats bezeichnet hatte, nichts wesentlich geändert."
  Johannes von Miquel, seit 1890 preußischer Finanzminister, hatte die Bismarcksche Reichsverfassung von 1871 gemeint, die Kaiser und Generalstab umfangreiche Vollmachten gab. Die verweigerte Verfassungsdiskussion von 1990 lässt grüßen. Am auffallendsten ist der immer wieder abgeforderte große Verrat, für sozialdemokratische Parteien der obligatorische Initiationsritus für den Zugang zu den Fleischtöpfen der Macht: 1914 die Kriegskredite, 2004 der wilde Bellizismus der Grünen Partei im Jugoslawienkrieg, 2005 die Hartz-Gesetzgebung und schließlich 2015 die Merkelkrise der längst sozialdemokratisierten CDU/CSU. Die Linkspartei verrät ihre Wähler ohnehin gewohnheitsmäßig. Die politischen Inhalte der jeweiligen Parteien werden komplett entsorgt und durch die Phrasen der gerade aktuellen Herrscherkaste des Tiefen Staats ersetzt. "Unseren Feldgrauen" im gegnerischen Feuer bleibt nur, für diesen Unfug gehorsam ins redensartige Gras zu beißen. Wie derartiges einer breiten und wachen Leserschaft geschickt "verkauft" werden kann, zeigt Lenschs Buch immer noch beispielhaft.





Bei den Bilderbergern

 
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Am Samstag dann ein Zwischenaufenthalt in Dresden, Bilderberger gucken. Regulär hätten die Finsterlinge in den USA tagen sollen, aber dann sollten wohl Abweichler unter den Bilderbergern mit möglichst wilder Protest-Folklore eingeschüchtert und diszipliniert werden. V-Männer und -Frauen wie die Festerling mühten sich, das gewünschte Szenario herzustellen, doch Lutz Bachmann und Co. blieben einfach zu Hause.
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Es war zwar jede Menge Polizei auf der Straße, die aber gut organisiert war und professionell agierte. Tagesgäste waren eher weniger in der Stadt, die wenigen Demonstranten zog es eher an die Elbufer, in den Zwinger und in innerstädtische Kaufhäuser. Inzucht-Schäuble, Kanonen-Uschi und Thomas die Misere konnten ungestört gecastet werden.


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Auch die AFD beließ es bei allgemeinen Protestgesten, mit ihren Klimawandel-Leugnern und Einpeitschern sozialer Grausamkeiten zeigten sie sich eher dunkelmännischer als mancher Bilderberger. Hinterher hörte man, dass der Machtzirkel im Kempinski-Hotel die militärische Gangart gegenüber Russland wohl gezwungener Maßen verschärft hatte, bei der "Umvolkung" á la Soros die Zügel aber eher schleifen ließ, was wohl als kleiner Erfolg für die "Bilderberg-Dissidenten" gewertet werden kann.

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Auch Ministerpräsident und Bilderberg-Teilnehmer Tillich äußerte sich vernünftig und offen, so dass sich eher die Politikfähigkeit und Gelassenheit der Sachsen zeigte. Die Bilderberger sind ein ausführendes Gremium, kein Entscheidungsgremium, sagt Christoph Hörstel. Ich machte noch einen Zug durch die Kaufhäuser und war am frühen Nachmittag schon mit dem "Sachsenticket" Richtung Heimat unterwegs.




Auf dem Meißener Dichterthron

Thron

Das Meißener Literaturfest gibt es erst seit 2009 und es ist schon "Deutschlands größtes eintrittsfreies Open-Air-Lesefest". 200 öffentliche Veranstaltungen auf historischen Plätzen, Gassen, Höfen und Innenräumen bei freiem Eintritt. Die 250 Mitwirkenden müssen sich fast ein Jahr vorher bei einer gestrengen Jury bewerben. Stargast war diesmal der  Buchpreis-gekrönte Guntram Vesper (»Frohburg«). Ich las am Freitag Abend am Tuchmachertor aus den "Wanderern", anschließend Verkauf.

Übrigens - "Die neuen Wanderer im Geisterreich" gibt es jetzt bei Booklooker zum Super-Sparpreis von 3,90 €, siehe https://www.booklooker.de/hans9/

booch 




Hier ist bald was los! Versprochen.

toll
Hallihallo und willkommen auf der privaten Homepage von Hans Dietmar Sievers.
Auch meine Online-Rumpelkammer gibt es noch, einschließlich Kontaktformular:

https://bringfried.jimdo.com/kontakt/

Irgendwie ist es hier wie in der Frühzeit des Webseiten-Bastelns - ich habe nur ein Verzeichnis, in das ich alle meine Dateien per FTP schaufeln darf. Alles andere würde zusätzlich kosten ...